Reiki in Japan

Wie hat sich Reiki in Japan, seinem Ursprungsland, weiter entwickelt?

Jahrzehntelang glaubt man bei uns im Westen die Geschichte Takatas, alle Reiki-Meister in Japan seien im 2. Weltkrieg umgekommen – und das, obwohl sie nachweislich noch Kontakt zu japanischen Reiki-MeisterInnen hatte!




Wiederentdeckung des Reiki

Die erste, die Reiki in Japan wiederentdeckte, war Mieko Mitsui, eine Journalistin und Schülerin von Dr. Barbara Weber Ray, der Begründerin  der Radiance Technik. 

Dr. Ray (das Weber ist mittlerweile nicht mehr Bestandteil ihres Namens) war 1979 eine der letzten Meisterinnen, die Frau Takata ausbildete.  1980 gründete sie die American Reiki Association, Inc. , deren Namen  mehrfach geändert wurde und mittlerweile  in Amerika
„The Radiance Technique International Association, Inc.“ (TRTIA) heißt. 1993 wurde  dann in Berlin "Die Radiance Technik Gesellschaft" gegründet (Doerr, 2003).


Fumio Ogawa
Fumio Ogawa 1
Mitsui übersetzte Rays Buch „Der Reiki-Faktor“ ins Japanische und löste so einen Reiki-Boom in Japan aus. Als Mitsui 1985 ihr Heimatland Japan besuchte, unterrichtete sie dort die ersten beiden Grade der Radiance Technik und traf dort Fumio Ogawa, ein Mitglied der bis dahin im Westen unbekannten Usui Reiki Ryoho Gakkai. Einer ihrer Schüler war interessanterweise Hiroshi Doi, der später Mitglied der Gakkai wurde und sein eigenes Reiki-System begründete, das Gendai Reiki Ho (Stiene und Stiene, 2005).

Seit 1998 haben dann eine Reihe westlicher Reiki-Meister, darunter Frank Arjava Petter, Dave King, Melissa Riggall, Andrew Bowling, Chris Marsh und Rick Rivard, Nachforschungen in Japan betrieben. Melissa Riggall ist mittlerweile leider verstorben.

Es wurde immer deutlicher, dass die Geschichte des Reiki, wie sie von Frau Takata berichtet wurde, nicht stimmte. Aus verschiedenen Quellen wurden Puzzlestückchen zusammengetragen, die ein nicht immer einheitliches Bild ergeben, aber dennoch ein sehr interessantes Licht auf Reiki in Japan werfen.

So wurde z.B. erst Ende des vergangenen Jahrhunderts die Informationen über die „Usui Reiki Ryoho Gakkai“ bekannt. Die Gesellschaft hatte vor allem das Ziel, das Andenken Usuis zu ehren, was sie z.B. tat, indem sie einen Gedenkstein an Usuis Grab errichtete und ihn ehrenhalber als ersten Präsidenten ernannte.

Über die heutige „Usui Reiki Ryoho Gakkai“ wird berichtet, dass ihre Mitglieder die Gedichte des Meiji-Kaisers rezitieren, darunter die fünf Lebensregeln. Sie praktizieren die Hatsurei-Ho-Meditation, um ihren Reiki-Kanal zu stärken und ihre Sensitivität zu erhöhen. Die Mitglieder erhalten dann eine Verstärkung/Einweihung, die sich „Reiju“ nennt. Behandlungen werden ebenfalls durchgeführt. Die Gakkai ist in Tokyo und hat derzeit 500 Mitglieder.

Informationen über die Gakkai wurden im Westen zuerst von Hiroshi Doi bekannt gemacht, der ein Mitglied dieser Gesellschaft ist.

nach oben







Gendai Reiki Ho

Hiroshi Doi unterrichtet eine eigene Reiki-Methode, bekannt als "Gendai Reiki Ho" (Moderne Reiki-Methode), die eine Kombination der Gakkai-Methoden und Techniken aus anderen Quellen ist.

Doi wurde 1999 von mehreren Reiki-Meistern (Rick Rivard, Tom Rigler und Andrew Bowling) nach Kanada eingeladen und unterrichtete einen Reiki-Workshop über das Usui-Reiki, der viele neue Einsichten über die Art und Weise brachte, wie Reiki in Japan unterrichtet und praktiziert wird.
Hiroshi DoiHiroshi Doi 2

Es gab in den folgenden Jahren eine große Aufregung über alle diese Informationen, die die Reiki-Gemeinschaft nachhaltig erschütterte.

So wurde Hiroshi Dois Reiki als das einzig wahre Reiki angesehen, bis deutlich wurde, dass er selbst seiner Methode viele Techniken aus anderen Heilsystemen hinzugefügt hatte.

Andere Reiki-Meister hatten angeblich die Gelegenheit, mit noch lebenden Schülern und Schülerinnen von Usui zu sprechen.

nach oben







Usui-Teate

Bowling (2003) berichtet von einem Treffen Chris Marsh´ im Sommer 2001 mit 12 SchülerInnen Usuis, die zum damaligen Zeitpunkt zwischen 96  und 111 Jahre alt waren:

„Sie waren buddhistische Nonnen und Mönche, Anhänger des Shintoismus, einer der Anwesenden war ein Bauer. Keiner war vertraut mit dem Namen „Reiki“. Sie bezeichneten Usuis Lehren entweder als „Usui Teate“ (Berührung durch die Hände) oder als „Usui Do“ (Der Weg des Usui, meine Ergänzung, SR). ... Chris wurden viele von Usuis eigenen Unterlagen sowie heilige Dokumente gezeigt, die nicht anders als per Hand kopiert werden durften. Ihm wurde erlaubt, Kopien von einigen anzufertigen, andere sollten später nachgesendet werden.“

Leider wurden nie irgendwelche Dokumente vorgelegt, die diese Aussagen bestätigten, weshalb auch diese Aussagen mit Vorsicht genossen werden sollten.

nach oben







Usui-Do

Usui-Do ist eine weitere Strömung in der Reiki-Gemeinschaft, die behauptet, die wahren Ursprünge des Reiki zu kennen.


Vertreter dieser Methode sind Dave King und seine mittlerweile verstorbene Frau Melissa Riggall. Ihre Erlebnisse können auf der Usui-Do-Webseite nachgelesen werden. Eine gute Zusammenfassung findet sich bei Richard Rivard (2004) auf seiner Webseite The Reiki Threshold.

Riggall und King berichteten, es habe angeblich nur zwei Schüler gegeben, die das ursprüngliche Usui-Do-Training bis zum höchsten Grad (dem Shichidan-Grad) durchlaufen hätten. Diese Schüler waren Toshihiro Eguchi und Chujiro Hayashi.

Toshihiro Eguchi
Toshihiro
Eguchi 3
Toshihiro Eguchi, ein Freund und Wegbegleiter Usuis, hatte in Usuis Trainingszentrum ab 1923 seine eigenen Techniken unterrichtet, die von den Schülern Usuis, vermutlich aus Respekt vor dem Besitzer des Dojos, „Usui Teate“ genannt wurden.

Eguchi gründete später seine eigene Schule, „Eguchi Tenohira Ryoji Kenkyu-kai“. Er war Mitglied der Gakkai, verließ diese aber 1927. Er fuhr dennoch fort, seine Systeme zu unterrichten. Einer seiner Schüler war Yuji Onuki.

Riggall und King berichteten nun, sie hätten Yuji Onuki 1971 in Marokko getroffen und seien von ihm in die tieferen Lehren des Reiki unterwiesen worden, in den Rokudan (den zweithöchsten Grad).  Als sie dann seine Enkel 1994 in Japan besuchten, lernten sie einige SchülerInnen von Usui, Eguchi und Hayashi kennen. Unter diesen SchülerInnen waren zwei Nonnen, genannt Yuri-in und Tenon-in, die zu der Zeit um die 100 Jahre alt waren. Tenon-in weihte sie in den Godan (dritthöchsten Grad) ein.


Sie behaupteten weiter, 1996 einen Schüler Hayashis, Tatsumi, in Japan getroffen zu haben. Dieser gab an, er habe 1927 einen Kurs bei Hayashi gemacht. Hayashi habe das ursprüngliche System später sehr verändert, so dass weder Takata noch Yamaguchi (s.u.) in die eigentlichen Techniken eingeführt worden seien. Tatsumi selbst habe deshalb 1931, als Hayashi seine neue Lehre „Hayashi Reiki Kenkyukai“ zu unterrichten begann, seine Klinik verlassen. Er unterrichte Riggall und King und weihte sie in den Shichidan (den höchsten Grad) ein. Tatsumi starb 1996.

Leider wurden bislang keine Beweise für diese Behauptungen vorgelegt.  Dave King hat mittlerweile Kanada verlassen und ist nach China gezogen. Richard Rivard teilte mir im September 2005 mit, dass Dave King in Kürze ein Buch über Usui-Do herausbringen wolle.

nach oben







Jikiden Reiki

Noch eine weitere Strömung im japanischen Reiki ist das Jikiden Reiki, das von Chiyoko Yamaguchi  und ihrem Sohn Tadao Yamaguchi  entwickelt wurde.

Chiyoko Yamaguchi erlernte Reiki 1938 direkt von Dr. Hayashi. Sie war damals 17 Jahre alt. Ihr Sohn Tadao praktiziert Reiki seit 1965. Leider verstarb Chiyoko Yamaguchi im August 2003 im Alter von 82 Jahren, aber ihr Sohn unterrichtet es nach wie vor. Jikiden Reiki ist der Versuch, das Reiki so zu unterrichten, wie es in den 30er Jahren von Hayashi gelehrt wurde (Yamaguchi, ohne Jahresangabe). Chiyoko Yamaguchi
Chiyoko Yamaguchi
4
 

Frau Yamaguchi berichtete, dass sie die ersten beiden Reiki-Grade (Shoden und Okuden) zusammen an fünf aufeinander folgenden Tagen von Dr. Hayashi lernte, als er das Dorf besuchte, in dem sie lebte. Ihr Onkel Sugano Wasaburo war ein anderer Schüler Hayashis, der sie später in die beiden letzten Grade einweihte.  Er fing seine Ausbildung bei Hayashi 1935 an.

Den eigentlichen Reiki-Unterricht begann Frau Yamaguchi jedoch erst sehr viel später (Rivard, 2005).

Tadao Yamaguchi
Tadao Yamaguchi 5
Im Jahr 2000, nachdem die Yamaguchis von einigen westlichen MeisterInnen kontaktiert worden waren, nannten sie das System „Jikiden Reiki“, was so viel bedeutet wie „ursprüngliche Lehre“.



Die Grade im Jikiden Reiki sind folgendermaßen unterteilt:

Shoden: entspricht dem 1. Reiki-Grad
Okuden: entspricht dem 2. Reiki-Grad
Shihan-Kaku: „Lehrer-Assistent“
Shihan: Lehrer
Dai-Shihan: Wer diesen Grad hat, kann Shihan-Kaku-Seminare unterrichten. Wenn  genügend Erfahrungen damit gesammelt wurden, erhält die Erlaubnis, den Shihan-Grad zu unterrichten.

Jikiden Reiki hat seinen Schwerpunkt hauptsächlich auf der praktischen Anwendung von Reiki, weniger auf den spirituellen Aspekten der Methode.

nach oben







Komyo Reiki Kai

Die "Methode zur Erleuchtung durch Spirituelle Energie" wird unterrichtet von Hyakuten Inamoto, einem buddhistischen Mönch, der 1997 Jikiden Reiki bei Frau Yamaguchi lernte. Aufgrund persönlicher Differenzen änderte Inamoto das System und gab ihm einen neuen Namen. Er lernte auch Gendai Reiki Ho von Hiroshi Doi. Der Schwerpunkt seiner Lehre liegt auf der spirituellen Entwicklung. Das System wird in vier Graden unterrichtet, die in etwa denen des westlichen Reiki entsprechen.
Hyakuten Inamoto
Hyakuten Inamoto 6


nach oben






Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich in den letzten Jahren bezüglich der Entwicklung des Reiki durch Nachforschungen in Japan sehr viel getan hat. Viele interessante Neuigkeiten über die Lehre Usuis, einzelne Techniken und Übungen, die die Reiki-Praxis vertiefen können, hat uns diese Rückbesinnung auf die Ursprünge beschieden.

Aber das Ganze hat offenbar auch eine nicht so schöne Kehrseite: Es lassen sich in Reiki-Kreisen Tendenzen wahrnehmen, dass um das „bessere Reiki“ konkurriert wird, und man sich gegenseitig mit einem „Mein Reiki ist aber noch ursprünglicher als Deines!“ zu übertrumpfen versucht. Einige Leute sind bis heute den Nachweis schuldig geblieben, aus welchen Quellen ihre Informationen tatsächlich stammen, so dass bei manchen neuen Systemen immer der Hauch eines Zweifels über die erstaunlichen Anekdoten und alten, geheimnisvollen Techniken bleibt.

Manchmal konnte man sich nicht ganz des Eindrucks erwehren, dass einige Meister schnell ein paar mysteriöse Kontakte und verstaubte alte Schriftstücke herbeizauberten, um sich auch ein Stück vom Kuchen des neuen Reiki-Booms abzuschneiden. Ein eklatantes Beispiel dafür ist die Geschichte des Men Chhos Reikis und seines Begründers, Lama Yeshe, die Sie auf der nächsten Seite nachlesen können:








Literatur
Bowling, Andrew: My Reiki History. 2004.
Webadresse: Reiki History

Doerr, Frank: Reiki-Stile, Formen, Richtungen und Anwendungsarten.  Teil 9: Die Radiance Technik.
Reiki-Magazin Nr. 4/2003.

Rivard, Richard: What is Komyo Reiki Kai? 2005

Webadresse: The Reiki Threshold

Stiene, Frans; Stiene, Bronwen: Glossary. 2005
Webadresse: International House of Reiki

Yamaguchi, Tadao: Jikiden Reiki. An Introduction. Ohne Jahresangabe.
Webadresse:  Jikiden Reiki

Bildnachweis:
1. Fumio Ogawa: William Lee Rand - International Center for Reiki Training
2. Hiroshi Doi: Richard Rivard - The Reiki Threshold
3.
Toshihiro Eguchi - James Deacon Reiki and All Energy-Therapies Website
4.
Chiyoko Yamaguchi - © Frans and Bronwen Stiene, International House of Reiki
5. Tadao Yamaguchi - © Frans and Bronwen Stiene, International House of Reiki
6.
Hyakuten Inamoto - James Deacon Reiki and All Energy-Therapies Website

nach oben

© Stefanie Rappat, 2004 – 2005.



Home
Home